Wie die Blockchain den Arbeitsmarkt verändert

Wie die Blockchain den Arbeitsmarkt verändert

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Wir werden dezentral

Die Einführung von Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie stellt unsere Gesellschaft vor völlig neue Herausforderungen. Schon in naher Zukunft stehen sämtliche Bestandteile unseres Lebens unter dem Einfluss eines dezentralen Netzwerks. Dies ändert die Art, wie wir Zahlungen abwickeln oder Verträge schließen. Viele traditionelle Berufe werden in Frage gestellt, andere müssen sich neu erfinden. Neue Berufsbilder entstehen.
Die neuen dezentralen Technologien geben uns die Möglichkeit, sich von einer zentralen Organisation zu befreien. Unternehmen wie Airbnb zeigen uns bereits heute den Weg in eine Zukunft, in der Hotelzimmer ohne Hotels auskommen, Uber vermittelt Taxidienstleistungen ohne Taxizentrale. Nachbarschaftsportale machen Baumärkten das Leben schwer, indem sie Werkzeuge zwischen den Nachbarn vermitteln und Solaranlagenbesitzer können ihren Strom nun direkt an lokale Supermärkte, Schulen oder Wasserwerke verkaufen. Noch vor wenigen Jahren war das Auto als Statussysmbol der Deutschen allgegenwärtig, heute bleibt die Garage oftmals leer und das Stadtteilauto tritt als reines Gebrauchsfahrzeug seinen Dienst an.

Die Akzeptanz steigt deutlich

Natürlich braucht man für diese Beispiele weder die Blockchain noch irgendeine Kryptowährung. Aber eben dieser Ansatz, diese Grundprinzip zeigt eine klare Akzeptanz eines dezentralen Systems. Die Menschen haben begriffen, dass es Sinn macht, Dinge, die man selbst nicht benötigt, an andere zu verleihen. Menschen, die Dinge benötigen, leihen oftmals, anstatt zu kaufen. Die Sharing Economy ist da.
Diese Entwicklung eröffnet den Kryptowährungen Möglichkeiten. Ganze Wirtschaftszweige werden von der Fälschungssicherheit und Unbestechlichkeit der Blockchain profitieren und so die bestehende Ordnung in Frage stellen. Die Rede ist von der Umstellung unserer zentralisierten Gesellschaft hin zu einer dezentralen Struktur von der nicht nur Kryptowährungen, sondern nahezu jeder Bereich unseres Lebens betroffen sein kann.

Auch die Zentralen wirtschaften dezentral

Betrachtet man heutige Internetgiganten wie Google oder Facebook einmal genauer, so wird man feststellen, dass diese Paradebeispiele für zentrale Datenspeicherung einen Großteil ihrer Umsätze über einen vollkommen dezentralen Ansatz verdienen. Nämlich über die Schaltung von Werbung über das Netzwerk. Ohne einen weiteren Mittelsmann, ohne Werbevermarkter. Doch auch Google und Facebook waren vor nicht allzu langer Zeit noch unbekannte Start-ups, die eine ideologische und revolutionäre Idee verfolgten.

Kryptowährungen als logische Konsequenz

Überall entstehen aktuell Gemeinschaften, die nicht zentral geführt werden. Communities entwickeln Computerspiele, Software und Betriebssysteme. Linux steht als eines der führenden Crowd-Produkte beispielhaft für eine Entwicklung, deren Fortführung maßgeblich durch den Konsens der Mitglieder bestimmt wird.
Die Anhänger von Kryptowährungen und Blockchain beobachten diese Entwicklung mit Genugtuung. Ihnen kann der Prozess der Dezentralisierung gar nicht schnell genug gehen, denn die Akzeptanz der virtuellen Münzen ist für sie nur eine logische Konsequenz. David Johnston sagte zu diesem Thema einmal: „Alles, was dezentralisiert werden kann, wird dezentralisiert werden.“ Ob er tatsächlich Recht hat, bleibt abzuwarten.

Alte Technologien neu erfunden

Aktuell findet eine Revolution im Zahlungsverkehr statt. Viele Anbieter nutzen alle Vorzüge des alten monetären Systems und ergänzen sie durch die neuen Technologien. Dabei spielt das Smartphone eine entscheidende Rolle. Es wird von zahlreichen Unternehmen genutzt, um den klassischen Zahlungsverkehr durch mobile Anwendungen auf den Kopf zu stellen. PayPal ermöglicht bereits Zahlungen von A nach B, per E-Mail, QR-Code, Bluetooth oder NFC. Die Möglichkeiten aktueller Marktführer, alte und erlernte Zahlungssysteme mit neuen Technologien aufzuladen, machen es den Kryptowährungen schwer, in die bestehenden Märkte vorzudringen. Dabei steht im Hintergrund noch immer der Mittelsmann, die Bank. Am Beispiel von PayPal zu einem Preis von etwa 2,5% pro Transaktion. Genau an diesem Punkt könnten Kryptowährungen besser sein. Bitcoin und Co. könnten mit all diesen Technologien punkten und dabei auf einen Mittelsmann verzichten.

Transparente Abrechnung dank Micro-Payment

Nachrichten, Bücher, Musik, Filme – der Content-Industrie eröffnet die Blockchain vollkommen neue Abrechnungsmodelle. Denn durch die Blockchain sind auch Kleinstzahlungen möglich. Beträge, deren Transfer sich durch die in Relation zu hohen Transaktionsgebühren bei den traditionellen Überweisungssystemen nicht lohnt. Im Gegensatz zum Euro, der hinter dem Komma üblicherweise gerade einmal zwei Stellen aufweist, lässt sich ein Bitcoin in 100.000.00 Einheiten (genannt Satoshis, zu Ehren des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto) unterteilen. Dadurch ist praktisch jede Stückelung denkbar. Mainstreamer Bild.de könnte an der Pay-Wall nicht pauschal 0,99 Euro für jeden zahlungspflichtigen Artikel verlangen, sondern auf eine zeilen- oder wortbasierte Abrechnungsmethode setzen.

Alte Berufe neu erfunden

Sollte die Technologie sich in dem Maße etablieren wie erwartet, wird dies voraussichtlich auch eklatante Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Um beim Beispiel des Geldtransfers zu bleiben, müssen Banken umdenken. Schon heute hat die Zahl der Bankkunden, die tatsächlich eine Überweisung in der Bank tätigen, drastisch abgenommen. Auch Beratungsdienstleistungen finden deutlich weniger statt. Banken in ihrer Kernfunktion werden daher bald überflüssig sein. Der Handel von Wertpapieren, Versicherungen, Makler, Notare, um nur einige zu nennen – all diese Berufe müssen sich komplett neu organisieren, sich neu erfinden, um zukünftig ihr Dasein zu rechtfertigen. Natürlich werden diese Berufsbilder nicht über Nacht verschwinden, aber selbst eine stete Abnahme hätte schmerzhafte Auswirkungen auf die in diesen Berufen Beschäftigten.
Selbst wenn sich Kryptowährungen wie Bitcoin am Ende nicht durchsetzen, so ist es die Blockchain, die ihren Weg in nahezu sämtliche Wirtschaftszweige finden wird. Weil sie Kosten senken kann. Weil ein über Smart Contract aufgesetzter Vertrag den Notar ersetzen kann, Musikrechte und Tantiemenvereinbarungen effizienter gehandhabt werden können, weil ein Mittelsmann in wesentlichen Bereichen des Lebens überflüssig sein wird – nicht nur bei den Banken.

Neue Berufswelten entstehen

Doch wo auch immer auf der einen Seite Arbeitsplätze wegfallen, entstehen dafür auf der anderen Seite neue. Ersetzt in der Automobilindustrie ein Roboter den Arbeiter, entsteht ein Arbeitsplatz in der Industrie, die den Roboter fertigt. Neue Arbeitsplätze entstehen. Greifen wir erneut zum Beispiel PayPal. Setzen sich Blockchain und Bitcoin durch, würde das dazu führen, dass die Transaktionsgebühren deutlich gesenkt würden. Hinzu kommen die Einsparungen, die durch den Wegfall von Kreditkartenbetrug oder zurückgebuchten Lastschriften realisiert werden können. Während beide Zahlarten noch Wochen oder Monate später angefochten werden können, ist eine Zahlung per Blockchain irreversibel. Diese Ersparnis hat deutlichen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft. Unternehmen können ihre Gewinnspannen erhöhen und dadurch Arbeitsplätze schaffen. Natürlich interessiert das den Bankangestellten nicht, der gerade seinen Job verloren hat. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Einführung der Blockchain Millionen von Arbeitsplätzen im Informatikbereich schafft. Schon heute wird fieberhaft auf den großen Portalen Stepstone, Monster und Co. nach Blockchain-Entwicklern und Experten in diesem Bereich gesucht.

von Patrick Rosenberger | Quellenverzeichnis