ICO: Blockchain finanziert Blockchain

ICO: Blockchain finanziert Blockchain

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Gestatten, Blockchain

Der Hype um Kryptowährungen setzt aktuell auch deren technische Basis, die Blockchain, ins verdiente rechte Licht. Über die zukunftsweisende Technologie, die bislang im Schatten der Berichterstattungen über die Kursgewinne von Bitcoin und Co. ihr Dasein fristete, entstehen derzeit zahlreiche spannende Anwendungen im Bereich der Finanzdienstleistung und Rechteverwaltung.

ICO – Finanzierung innovativ

Um die Entwicklung dieser Anwendungen zu finanzieren, setzen zahlreiche Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen, auf das sogenannte ICO-Konzept, eine Abkürzung für Initial Coin Offering. Der Begriff ICO ist abgeleitet vom Börsenbegriff IPO für Inital Public Offering, dem Börsengang eines Unternehmens, bei dem Aktien aus einer Kapitalerhöhung oder dem Bestand von Altaktionären auf dem Kapitalmarkt angeboten werden. Bei einem IPO geht es dabei um den Verkauf von Firmenanteilen, beim ICO um den Verkauf sogenannter Tokens.
Diese Tokens können unterschiedliche Funktionen haben, dienen in den allermeisten Fällen aber als Währung des Projekts, das durch sie finanziert werden soll. Ein bekannter Token ist sicherlich die „Währung“ von Ethereum, der „Ether-Token“ oder auch einfach „Ether“. Investoren haben so die Möglichkeit, in eine Kryptowährung zu investieren, die es zum Zeitpunkt der Investition nicht zwangsläufig überhaupt schon gibt.

Geld fließt reichlich

Für Anleger stellt das Finanzierungsmodell ICO eine interessante Investitionsmöglichkeit dar. Allein 2017 wurden bislang etwa 190 Millionen Dollar in unterschiedlichste ICOs investiert. Noch ein Jahr zuvor war der Wert mit etwa 100 Millionen deutlich geringer.
Ethereum ist sicherlich das bekannteste Beispiel für eine Finanzierung durch ICO. Die schweizer Ethereum-Foundation, heute eine Non-profit-Stiftung rund um ihren Gründer Vitalik Buterin, verkaufte 2014/2015 Ether-Token im Gegenwert von 10 Millionen Dollar – transferiert mit Bitcoin. Was damals noch als unverhältnismäßig galt, entwickelte sich im Laufe der nächsten Jahre zu einer äußerst lukrativen Investition für alle beteiligten Investoren.

Blockchain finanziert Blockchain

Auf Seite der Unternehmen bietet ICO die Chance, Crowdfunding für ihre Idee zu betreiben, ohne einen partizipierenden Dritten wie eine Crowdfunding-Plattform ins Boot holen zu müssen. Eine äußerst konsequente Methode, bei der mit Hilfe der Blockchain ein Blockchain-Projekt finanziert wird. Ein Musterbeispiel, um Eigentumsrechte über eine Kryptowährung zu definieren, die im Erfolgsfall des Projektes sogar noch im Wert steigt.

Hohes Risiko lockt Spekulanten

Dabei stellt die Investition in ein ICO ein extremes Risiko dar. Traditionelle Finanzmärkte, Börsen, Fonds etc., sie alle unterliegen zahlreichen Regulierungen, die vor allem einem Zweck dienen – dem Schutz der Anleger. ICOs bewegen sich außerhalb dieser Struktur, weshalb diese Regulierungen auf diese Form der Anlage nicht anwendbar sind. Dies kann, je nach Sichtweise, positiv oder auch negativ ausgelegt werden.

Regulierung wahrscheinlich

Mit zunehmender Bekanntheit lenkt ICO so zwangsläufig auch das Interesse der Regulierungsbehörden auf sich. Auf der ganzen Welt diskutieren derzeit Aufsichtsbehörden über den Umgang mit der neuen Technologie, die so gar nicht ins Raster der traditionellen Investmentmöglichkeiten passt. Dem Fortschritt der Blockchain wird daher zukünftig viel Aufmerksamkeit aus den unterschiedlichsten Richtungen zuteil. Eine gute Entwicklung, denn man darf davon ausgehen, dass sich eine Technologie etabliert, wenn sie einmal in den Fokus der Aufsichtsbehörden gerückt ist.

von Patrick Rosenberger | Quellenverzeichnis