Die Blockchain kann Leben retten

Die Blockchain kann Leben retten

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Die Blockchain kann die Welt verändern

Der extrem volatile Kurs von Bitcoin und Berichte über potentiell massive Spekulationsgewinne verschaffen der Kryptowährung zur Zeit ungeahnte Popularität. Das ist gut so, obwohl Bitcoins Ideologie ursprünglich einen sehr anarchistischen, geradezu politischen Ansatz verfolgt. Satoshi Nakamoto, wer auch immer es ist, hatte Bitcoin als dezentrale Währung konzipiert, die sich dem Einfluss von Banken und Börsen vollständig entzieht. Bitcoin glänzt durch Transaktionen ohne zwischengeschaltete Banken und eine hohe Anonymität im Vergleich zum konventionellen Banking. Fonds, Trading, Handel, Spekulationsgewinne – all das hat nichts mit der ursprünglichen Ideologie hinter Bitcoin zu tun.
Doch das wirklich Bahnbrechende an Bitcoin ist nicht die Währung selbst, sondern die Technik dahinter – die Blockchain. Das digitale Grundbuch findet bei all dem Hype und der Berichterstattung über die Kryptowährung aktuell noch viel zu wenig Beachtung. Denn die Blockchain kann die Welt verändern, sie für viele von uns erträglicher machen. Ich behaupte sogar: Die Blockchain kann Leben retten.

Menschen ohne Bank – die Banklosen

Anteil von Menschen mit und ohne Bankkonto weltweit
Anteil der Menschen mit und ohne Bankkonto.

Etwa 2 Milliarden Menschen dieser Welt haben keinen Zugang zu einer Bank. Teile Afrikas, Südamerikas, Indiens etc. – riesige Gebiete, ohne Bank. Diese Menschen sind dadurch von der modernen Welt abgeschnitten, können ihr Erspartes nicht zur Bank bringen, Sparkonten eröffnen oder mit Kreditkarten bezahlen. Sie können sich volkswirtschaftlich nicht entwickeln, Handel wird klein und nahezu ausschließlich lokal betrieben. Zwar wurden zwischen 2011 und 2014 große Fortschritte bei der Ausweitung der sogenannten „finanziellen Integration“ erzielt, denn davor waren es 2,5 Milliarden Menschen ohne Bank, dennoch haben bis heute nur 62 Prozent der erwachsenen Bevölkerung der Welt ein Konto. Somit haben 38 Prozent keinen Zugang zu einem globalen Finanzsystem. Laut Studien geht dies mit mangelnder Bildung und Armut einher. Zum Vergleich: In Deutschland haben 95% aller 16-Jährigen ein Bankkonto. In den USA liegt der Anteil bei etwa 88% und circa 64% der Chinesen haben Zugang zu einem Finanzsystem.

Für Banken nicht attraktiv

Dabei ist es sicherlich nicht so, dass diese Menschen ohne Bank kein Interesse an einem Konto haben. Der Hauptgrund dieser Situation dürfte sein, dass die Kontoführung in diesen Bereich der Welt für die Banken einfach unwirtschaftlich ist. Hinzu kommt ein System, das weder eine konsequente Erfassung von Grundeigentum noch ein Unternehmensregister kennt. Ist dieser Rahmen nicht gegeben, kann kein Konto eröffnet werden. Eine fatale Situation, denn die Teilnahme am Finanzsystem ist eine fundamentale Voraussetzung für ein Wachstum von Konsum, Beschäftigungsstatus und letztlich Einkommen.

Transfer per Geldbote

Es gibt Regionen in Afrika, in denen die Männer ihre Dörfer verlassen, um Geld in den Großstädten zu verdienen. Teils hunderte Kilometer von ihrem Heimatdorf entfernt. Frauen und Kinder bleiben zurück. Es ist nicht unüblich, dass die Männer das Bargeld, das sie verdienen, per Boten in ihr Heimatdorf „transferieren“. Man kann sich vorstellen, wieviel dieses Geldes tatsächlich bei Frau und Kindern ankommt.

Ein Handy wird zur Bankfiliale

Interessanterweise haben in Afrika statistisch aber 8 von 10 Menschen einen Mobilfunkanschluss. Die Anzahl der Mobilfunknutzer ist seit Erfindung des Feature Phone, einer Art abgespecktem Smartphone, und dem Ausbau der GSM-Netze schlagartig gestiegen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein altes Nokia-Handy wird so in den Händen seines Besitzers zur Bankfiliale. Es gibt zahlreiche Dienste, wie den kenianischen Vodafone-Dienst „M-Pesa“, der allein in Kenia von rund 15 Millionen Menschen genutzt wird und durch den das Transferieren von Geld mithilfe eines Smartphones möglich wird. Die Funktionsweise ist dabei ähnlich der einer Prepaid Karte. Man lädt Geld von seinem Konto auf sein Smartphone und transferiert es von dort auf ein anderes Smartphone, wo es vom Besitzer wieder in Geld gewechselt werden kann. Die Voraussetzungen dafür sind ein Smartphone und ein Bankkonto. Diejenigen, die kein Bankkonto haben, wenden sich an einen Menschen mit Smartphone und Bankkonto, der das Geld transferiert – natürlich gegen Gebühr. Das können Privatpersonen sein, aber auch Tankstellen, Internet-Cafés, Supermärkte oder Kioske. Ein neues Geschäftsmodell ist entstanden. Größer könnte der Kontrast zu einer Bankfiliale, so wie wir sie kennen, wohl kaum sein.

Mobile Bank M-Pesa

M-Pesa ist inzwischen in zahlreichen Ländern dieser Welt vertreten. Außerhalb Afrikas z.B. in Indien, Afghanistan, Fidschi, in Ägypten und mit Rumänien auch in Europa. Während aber große Teile Europas beim Zahlen per Smartphone noch zögerlich sind, hat sich Afrika ganz unbemerkt an die Weltspitze transferiert. Vodafone verdient dabei an jeder Transaktion, je nach Transaktionshöhe zwischen 2 und 5 Prozent. Auch die „Banken“, also die Privatpersonen, Kioske oder Tankstellen stellen ihre Dienstleistung sicherlich nur in den wenigsten Fällen kostenlos zur Verfügung.

Internationaler Handel dank Bitcoin

Welche Möglichkeiten würden sich diesen Menschen erst offenbaren, wenn sie Geld transferieren könnten wie zuvor – aber auf internationaler Ebene. Wenn sie so am globalen Finanzsystem teilnehmen könnten. Und das nahezu gebührenfrei. Sie würden mit diesen Möglichkeiten Geld verdienen. Genau wie der Rest der Welt ist auch Afrika voll von fleißigen Menschen, die versuchen voranzukommen, Business zu betreiben. Sie sind nur aufgrund ihrer fatalen Situation nicht in der Lage, dies zu tun.
Helfen kann Bitcoin. Bitcoin ist eine Kryptowährung auf Basis eines offenen Zahlungsprotokolls, das den Nutzern die Möglichkeit gibt, elektronisch zu handeln, ohne dass dazu eine Bank oder ein Dritter benötigt wird. Das Bitcoin-Netzwerk ist frei und unabhängig von Banken, Zahlungsdienstleistern oder staatlichen Regulierungsbehörden. Man überweist von Smartphone zu Smartphone. Von Mensch zu Mensch. Bitcoin ist durch die automatische Überprüfung der Teilnehmer untereinander zudem absolut fälschungs- und damit „korruptionssicher“. So einfach wie man ein E-Mail-Konto erstellt, kann man ein Bitcoin-Konto eröffnen, um damit Bitcoins zu senden oder zu empfangen. Im Gegensatz zu M-Pesa aber vollkommen kostenlos und international. Dies macht Bitcoin zu einem wertvollen Werkzeug für Menschen, die einen Weg suchen, am internationalen Finanzsystem und der modernen Wirtschaft teilzunehmen.
In Deutschland sind Bitcoins bereits seit 2013 als Rechnungseinheit und privates Geld anerkannt und werden steuerlich als immaterieller Vermögensgegenstand, genau wie Schutzrechte oder Software, behandelt. Seit 2015 wird Bitcoin auch offiziell als Währung bezeichnet.

Die Blockchain – fälschungssicher und unbestechlich

Die technische Basis hinter Bitcoin heißt Blockchain. In ihr werden die unzähligen Bitcoin-Transaktionen weltweit gespeichert. Dabei funktioniert die Blockchain wie ein digitales Journal. Wenn eine Person einer anderen virtuelles Geld transferiert, wird diese Transaktion auf den Computern aller an der Blockchain Beteiligten hinterlegt und dokumentiert. Die Speicherung erfolgt somit dezentral, auf vielen teilnehmenden Rechnern zugleich. Dies macht die Blockchain fälschungssicher, ganz im Gegensatz zu einer normalen Datenbank. Denn die Daten liegen auf den teilnehmenden Rechnern vollständig vor. Vereinfacht erklärt findet bei jeder neuen Transaktion ein Abgleich der Daten zwischen den teilnehmenden Rechnern statt. Stellt ein Rechner falsche Daten zur Verfügung, beispielsweise weil diese Daten absichtlich verändert wurden, wird dies von den übrigen Rechnern festgestellt und die Daten nicht akzeptiert. Niemand hat die Macht, die Daten zu manipulieren. Wer Dubioses im Sinne hat, müsste so stets die gesamte Historie ändern, was technisch nicht möglich ist. Korruption, in afrikanischen Länden nicht unüblich, ist in diesem Bereich somit vollkommen ausgeschlossen.
Auf der Grundlage der Blockchain-Technologie lassen sich neue Applikationen entwickeln und komplett neue Ökosysteme begründen. Nahezu jede Großbank tüftelt aktuell an Blockchain-Produkten. Banken und Börsen richten eigene Forschungslabore ein oder arbeiten an eigenen Versionen einer Kryptowährung. Städte und ganze Länder arbeiten an der Umstellung ihrer Grundbücher auf die digitale Blockchain. Auch Afrikas Grundeigentum könnte so erfasst und reguliert werden. Ebenso die Unternehmen.

Geld fließt reichlich

Wohin diese Entwicklungen führen, ist aktuell noch schwer vorherzusagen, Geld fließt jedenfalls genug. Allein 2015 haben Risikokapitalgeber die Entwicklung individueller Blockchain-Produkte mit knapp 450 Millionen Dollar unterstützt, zum Vergleich lagen die Investitionen 2012 noch bei null.

Die Blockchain kann Leben retten

Macht man sich klar, welchen Einfluss der Zugang zu einem globalen Finanzsystem hat, nämlich einen Zugang zu Bildung und Reichtum, so wird auch klar, dass dieser Zugang schlussendlich zu einer boomenden Volkswirtschaft führen kann. Zu geregelten Eigentumsverhältnissen, Schulen, Universitäten und einem flächendeckenden Netz medizinischer Versorgung. Die Blockchain kann Leben retten.

Die Akzeptanz wächst

Es bleibt zu hoffen, dass Bitcoin und die Blockchain sich in diesen Ländern durchsetzen können. In Nordafrika sind bereits einige Länder an das Bitcoin-System angeschlossen, es gibt Automaten, Läden akzeptieren Bitcoin als Zahlungsmittel. Die Zahl der Online-Shops, Geschäfte und Services, bei denen man mit Bitcoins bezahlen kann, steigt. Ein weiterer Schritt in eine positive Zukunft der Banklosen.

Helfen Sie mit!

Interessieren Sie sich für die Blockchain, Bitcoin und andere Kryptowährungen. Wenn Sie überzeugt sind, investieren Sie vielleicht ein paar Euro in Bitcoins. Zahlen Sie mit Bitcoins, dort wo es möglich ist. Sprechen Sie mit Ihren Freunden und Bekannten über das wohl größte sozioökonomische Finanzprojekt des Informationszeitalters. Leisten Sie so Ihren Beitrag zur Akzeptanz und Verbreitung des aktuell vielleicht bahnbrechendsten Finanzsystems dieser Erde.

> Teil 2: Blockchain optimiert humanitäre Hilfe

von Patrick Rosenberger | Quellenverzeichnis