Die Bitcoin-Könige

Die Bitcoin-Könige

Exkurs

Jackie Fenn prägte 1995 den Begriff des Hype-Cycle, der die Einführung einer neuen Technologie in Phasen unterteilt. Am Anfang steht die Veröffentlichung, die auf ein gewaltiges Interesse des Fachpublikums stößt. Die Berichte überschlagen sich und erzeugen überzogene Erwartungen an mögliche Anwendungen der neuen Technologie. Können diese Erwartungen nicht zeitnah erfüllt werden, ebbt die Euphorie, die den Hype erst auslöste, schnell wieder ab. Die Diskussion versachlicht sich wieder. Produktiv wird eine Technologie erst dann, wenn die Vorteile allgemein anerkannt und akzeptiert werden.

Bitcoin-Kurs auf Rekordjagd

Bezogen auf Bitcoin steht die Kryptowährung gerade noch am Anfang des Hypes. Die Medien kommen langsam in Fahrt, erkennen Bitcoin als ein System, das frei von jeglicher Regulierung ist und somit keine Banken oder Zahlungsdienstleister benötigt. Zudem ist die Blockchain frei von Korruption oder Manipulation. Doch all diese Vorzüge, die die virtuelle Währung schnell und fälschungssicher machen und Befürworter der Kryptowährung in Verzückung versetzen – scheinen bedeutungslos gegen die Tatsache, dass Bitcoin, Ethereum und Co. das Potential haben, schnelles Geld zu bringen. Nahezu täglich erscheinen neue Berichte über neue Kurs-Bestmarken. Das lockt Spekulanten auf den Plan.

Interessant für Spekulanten

Dabei darf man eines nicht vergessen. Bislang ist das Thema Bitcoin recht komplex, insgesamt eher technisch, die Beschaffung und Aufbewahrung vergleichsweise kompliziert – man muss sich erst einmal Eindenken in diese vermeintliche Währung der Zukunft. Die breite Masse hat Bitcoin zur Kenntnis genommen, scheitert aber an der technischen Hürde und ist verunsichert durch unzählige, teils veraltete Informationen, die im Netz kursieren und Bitcoin als eine Währung darstellen, die scheinbar nur für Nerds von Interesse sein kann. Ein echtes Interesse löst die virtuelle Münze derzeit aber bei Spekulanten aus, wodurch der Sprung zur anerkannten Währung aktuell noch nicht realisierbar ist. Zu volatil ist der Kurs, zu hoch die technische Hürde, um sich am Markt zu behaupten. Gewissheit brachte die Untersuchung des SWIFT Institutes, nach der Bitcoins derzeit in erster Linie als Kapitalanlage eingesetzt werden und nicht als Zahlungsmittel. Stand heute gibt es ca. 16,4 Millionen Bitcoins mit einer Marktkapitalisierung von knapp 45 Milliarden Dollar. Etwa 36%, also 16,2 Milliarden der Bitcoins, sind dabei auf nur 1.000 Wallets verteilt. Umgerechnet sind dies durchschnittlich 16,2 Millionen Dollar pro Wallet. Dies stützt die Hypothese, dass ein Großteil der Bitcoins zu spekulativen Zwecken verwendet wird. Ihre Besitzer sind entweder sehr vermögend und haben eine Teil ihres Vermögens in die Kryptowährung investiert, um ihr Portfolio zu diversifizieren oder sie haben zur richtigen Zeit auf Bitcoin gesetzt. Möglicherweise haben sie sogar noch selbst gemint – zu Zeiten, als dies noch gewinnbringend möglich war. In jedem Fall aber wird der Bestand gehalten, um ihn zu einem geeigneten Zeitpunkt wieder zu veräußern.

Die Bitcoin-Könige

Die Zahlen deuten somit auf eine extreme Vermögenskonzentration, verteilt auf einen geringen Anteil von Bitcoin-Nutzern. Das spektakuläre Wachstum des Bitcoin-Kurses hat in kurzer Zeit eine elitäre Gruppe von Spekulanten zu Bitcoin-Königen gemacht. Diese kleine Gruppe hat insofern einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Bitcoin-Wirtschaft. Sie ist sehr daran interessiert, dass Bitcoin funktioniert, dass Bitcoin akzeptiert wird, dass Bitcoin vielleicht sogar anerkanntes Zahlungsmittel wird. Denn all das beeinflusst den Kurs der Kryptowährung. Es gibt Berichte über Luxuskäufe mit Bitcoin: große Autos, Villen und sogar einen Flug ins All.

Ideologisch fragwürdig

Diese bemerkenswerte Vermögenskonzentration passt nicht zur Ideologie von Bitcoin. Generell passt es nicht zur Ideologie von Bitcoin, die virtuellen Münzen als Spekulationsobjekt einzusetzen. Satoshi Nakamoto, wer auch immer es ist, hatte Bitcoin als dezentrale Währung konzipiert, die sich dem Einfluss von Banken und Börsen entzieht. Statt Kontrolle, Korruption und Manipulation glänzt Bitcoin durch Transaktionen ohne einen vertrauenswürdigen Dritten, statt dessen durch gegenseitige Kontrolle und das Wichtigste, was eine Währung ausmacht: das Vertrauen in ihren Wert. Wenn Reichtum und Einfluss sich auf eine kleine Gruppe konzentrieren, entsteht kein gesellschaftliches Vertrauen, es entsteht Misstrauen und Neid. Zwar verhält es sich mit den Dollar, Euro und Yen ähnlich, diese müssen jedoch niemanden mehr von sich überzeugen. Die großen Leitwährungen sind gesellschaftlich akzeptiert. Die Zukunft wird zeigen, ob Bitcoin es Ihnen gleichtun kann.

von Patrick Rosenberger | Quellenverzeichnis